Samstag, 18. März 2017
Scheidung?
16.03.2016 Scheidung?


Seit wir in Prag waren und uns im Bus so begannen zu streiten hat sich nicht viel an der Ausgangssituation geändert. Tanja schläft seitdem im Wohnzimmer, sie sagt sie brauche Abstand – vielleicht muss sie sich ja erst an manches gewöhnen - aber ich bin derjenige, der Abstand braucht. Meinen Freiraum. Ohne Tanja. Ich denke es ist völlig normal und Bestandteil jeder guten Beziehung, dass jeder für sich auch Dinge tut, mit denen der andere nichts zu tun hat, um die er sich alleine kümmern muss, eigene Verantwortung, eigene Entscheidungen, eigene Wahlfreiheit. Freiheit. Tanja hat damit offenbar gravierende Probleme. Die Situation ist eskaliert, als ich vor zwei Tagen (endlich!) den Knopf an meiner schicken Jacke festgenäht habe, damit ich sie für die Vorstellungsgespräche nutzen kann. Bis vor nicht allzu langer Zeit, konnte ich mich nicht einmal dazu aufraffen, Tanja zu fragen, ob sie ihn mir annähen könne. Selbst das war zu viel und scheinbar habe ich darauf spekuliert, dass Tanja von alleine kommt und ihn mir annäht. Nun aber hab ich mich gefragt, warum ich das nicht einfach selbst mache, hab das Ding genommen, im Internet nachgesehen wie man Knöpfe annäht und das Ding angenäht. Das kam aus mir raus, weil ich nicht zu träge dazu war, weil ich das Ding haben wollte, weil es mich innerlich stärkt, zu wissen, auch mal nen Knopf annähen zu können, es von einer Last befreit, denn etwas immer im Hinterkopf mit sich rumzuschleppen ist viel anstrengender als es einfach zu erledigen – und – weil es eigentlich kein Ding ist das Knöpfchen schnell anzunähen. Leider aber saß Tanja neben mir. Seit dem eskaliert alles – aber auf eine ruhige Art.. nicht unbedingt weniger schlimm als diese lauten, eigentlich unbedeutenden Schreiereien: Tanja sieht es als Provokation an, dass ich den Knopf angenäht habe und sie nicht gefragt habe, wie das geht. Es sei eine Provokation, dass ich mich daneben gesetzt habe und mir von „so einer youtube-Tussi“ hab erklären lassen, wie man Knöpfe näht. De fakto hatte Tanja nichts damit zu tun, und das letzte was ich wollte, war sie damit provozieren. Vielleicht ist sie ähnliches gewohnt, von einem Moritz, der sie klein zu machen versuchte, um sich selber größer zu fühlen – das wollte sie nie, hat sich darüber beschwert. Nun, wo ich das nicht tue, sondern den Knopf halt wirklich einfach selber und aus eigener Kraft annähe – und ich glaube letzten Endes glaubt sie mir das auch, denn sie spürt diese Kraft in mir wachsen – dreht sie durch. Ich bin mir nicht sicher, ob sie so einen Moritz neben sich stehen haben möchte, der es mit ihr aufnehmen kann. Der selbst was auf die Reihe bringt, ihren Rat nicht braucht und damit seine Entscheidungen nicht willenlos in ihre Hände legt. Damit umgehen kann sie im Moment jedenfalls nicht. Nach dem Knopf habe ich bei IngDiba angerufen, weil ich eine Frage zum ausfüllen der Online-Überweisung (unsere Steuer vom letzten Jahr, 2015) hatte. Auch das war eine Provokation für sie. Auch da hatte ich überhaupt keine Gefühle in Bezug auf Tanja, keine Provokation, kein ihr zeigen wollen, wie toll ich das ohne sie kann, kein ihr Wissen nicht wertschätzen, wie sie das beschreibt. Ich wusste was nicht und hab kurz da angerufen, das ist alles. An Tanja hab ich in dem Moment garnicht gedacht. Es gab solche Situationen, ich schließe da auch nichts aus, z.B. in Prag oder Trient haben wir uns auf diese Weise in die Haare bekommen, als ich das Gefühl hatte, sie zerrt mich rum, das gebe ich zu. Ich wollte auch ein wenig steuern, nicht nur das tun, was sie will, mir mal ne Fassade in Trient länger ansehen, sie mal kurz warten, statt einfach weiterzugehen und mich damit abhalten es anzuschauen. Da reagierte ich so, dass ich ähnliches versuchte.. bzw eigentlich nur in Prag wenn ich darüber nachdenke.. nur da bin ich schneller gelaufen, in Trient hab ich eigentlich ihr nur das o.g. Vorgeworfen. So gehen diese üblen Streitereien immer los. Im Gegensatz dazu kamen von mir aber hier auf der Couch keine Vorwürfe.. die kamen von Tanja. Ich störte mich überhaupt nicht an dem was sie machte, hab garnicht drauf geachtet. Nun, wir streiten seitdem, wenn wir uns sehen. Tanja greift mich an. Ich rede ruhig und vernünftig mit ihr. Sie geht soweit, dass sie mich beleidigt. Genau wie auf dem Weg von der Bussation heim nach Hause aus Prag, geht sie immer dann, wenn ihr nichts mehr dazu einfällt, was ich sage, auf mich los. Ich verliere immer meine Jobs, ich bin nur egozentrich, ich schaffe nichts, lauter Dinge in der Art, müsse mich so lausig benehmen, um mein (billiges kleines) Ego am Leben zu halten („brauchst du das für dein Ego“?). Sie wechselt das Thema, bringt Beleidigungen, die mich klein machen, und aus den starken Argumenten bringen sollen. Ich frage sie, ob sie es nicht besser findet, wenn jeder sich um den anderen ein wenig kümmert, und sein eigenes Ding macht. Antwort: ich hätte das im letzten dreiviertel Jahr. Ich habe viel eigenverantwortlich gemacht, immer mehr und mich um sie gekümmert, als es ihr so schlecht ging wegen dem Baby. Richtig. Ich sehe eine solche Entwicklung als Potential, nicht als Gefahr. Wo liegt dann jetzt das Problem wenn ich nen Knopf annähe? - Es sei nur eine massive Beleidigung. Fände sie es nicht gut, wenn ich mal nen Skiwochenende als Überraschung für sie organisiere? Eine Beziehung in der Art, wo man weiss man kümmert sich auch um den anderen, und der braucht das. Wesenick meinte ich wäre Tanja näher gewesen, als es ihr schlecht ging, ich mich kümmerte. Nun stößt Tanja mich eher weg davon. Offenbar geht ihr das zu weit, wenn es ihr nicht schlecht geht. Kann sie diesen Freiraum den ich brauche denn nicht akzeptieren? Sie stellt nicht einmal die Frage, warum ich es brauche, wie wichtig es ist, kein Thema, dass sie da drauf einzugehen, mich sogar zu unterstützen hat als Partner. Stattdessen wird davon abgelenkt, das ganze Gespräch dreht sich nur um ihre Gefühle – ich frage mich, wer hier egozentrisch ist (bzw bewusst oder unbewusst so, weil es gefährlich und noch viel schwerer sein dürfte gegen das was mich betrifft zu argumentieren. Sie will das nicht und sie hat Angst, dass ich, sobald ich keine Abhängigkeit mehr von ihr habe, auch ohne sie auf eigenen Beinen stehen kann, sie auch nicht mehr will, so glaube ich. In die Richtung geht es jedenfalls, vielleicht ist es nicht Angst, einfach nur keine guten Gefühle mir gegenüber mehr (denn das liebe süsse Püpchen ist weg). In den Vorstellungsgesprächen hatte ich keine Panikanfälle mehr. Mit den potentiellen zukünftigen Mitarbeitern komme ich gut klar und hab kein Händezittern. Um Sachen kümmere ich mich selbsttätig, denn ich erkenne meine „Wurschtigkeit“, wie Wesenick es nennt. Irgendwann hat Tanja mal gemeint, sie habe Angst davor, dass ich irgendwann einmal sage sie sei „praktisch gewesen“ und weg bin. Fängt man an einem gewissen Punkt an, dieses „praktisch gewesen“ sagen können des anderen zu versuchen zu unterbinden? Frau Wesenick nennt das „massiv“, was passiert ist als wir aus Prag kamen. Sie meinte, ich solle dann evtl. doch überlegen aus der Beziehung raus zu gehen, wenn Tanja im Laufe der Woche bzw. generell meine Epilepsie triggert, indem sie mich versucht klein zu machen. Ein generelles klein machen sehe ich nicht – ich bin eher beständig gewachsen, seit ich mit ihr zusammen bin. Eine Veränderung zur Situation am Sonntag sehe ich aber nicht.

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